Deutschland und China sollten mehr Kooperation wagen - Xinhua | German.news.cn

Deutschland und China sollten mehr Kooperation wagen

2026-02-01 09:51:40| German.news.cn
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Von Deng Hongbo

In einer Welt voller Ungewissheit tragen China und Deutschland als zweit- und drittgrößte Volkswirtschaften besondere Verantwortung. Stabile bilaterale Beziehungen liegen nicht nur in unserem Interesse, sondern entsprechen auch den Erwartungen im gesamten chinesisch-europäischen Kontext. Staatspräsident Xi Jinping und Bundeskanzler Friedrich Merz verständigten sich 2025 auf eine weitere Vertiefung der Beziehungen und legten damit den Kurs für die Zukunft fest - im Geiste von Respekt, toleranter Konsenssuche, Zusammenarbeit und Win-win.

Unsere Länder sind langjährige Handelspartner und Verfechter sowie Profiteure von Globalisierung und Freihandel. Industrielle und marktbezogene Synergien sind die Eckpfeiler unserer Erfolgsgeschichte. Doch in Deutschland wächst die Skepsis gegenüber unseren Wirtschaftsbeziehungen. Der sollten wir mit Weitsicht und Sachlichkeit begegnen. Einige rufen nach De-Risking und weniger China-Abhängigkeit. Sicherheitsbedenken sind für jedes Land verständlich, doch bei der Definition von Sicherheit bedarf es vernünftiger Grenzen. Werden sie als Vorwand für ideologische Motive genutzt, folgt eine irrationale Logik, die nur voreingenommene Ängste schürt.

Einerseits halten die angeblichen Risiken durch die gesetzeskonform agierenden chinesischen Firmen auch im Bereich Telekommunikation, grüne Technologie und IT keinem Faktencheck stand. Ein Generalverdacht widerspricht marktwirtschaftlichen und rechtsstaatlichen Prinzipien. Andererseits verkennen Warnungen vor übermäßiger Abhängigkeit wirtschaftliche Verflechtungen. Unser jährliches Handelsvolumen übersteigt 200 Milliarden US-Dollar, über 5,000 deutsche Firmen sind in China präsent, und das Exportgeschäft mit China sichert fast eine Million deutsche Arbeitsplätze. Zudem adressiert China mit aktiven Maßnahmen die Anliegen deutscher Unternehmen bei seltenen Erden und Halbleitern, was eigentlich keine bilaterale Frage ist.

Protektionismus schafft nur Chaos und Stillstand. Die normale Kooperation ständig unter Politik- und Sicherheitsvorbehalte zu stellen, fördert keine Resilienz. Nur ein vernünftiger Umgang mit Sicherheit kann Risiken mindern und mehr Wohlstand schaffen.

Manche klagen über Überkapazitäten und Preisdumping. Doch China setzt keineswegs auf unlautere Praktiken. Chinesische Firmen bestehen im Wettbewerb nach denselben Regeln wie deutsche. Großflächige Überkapazitäten sucht man in China vergebens. Die Auslastung der Fertigungsindustrie bewegt sich mit 76,5 Prozent im Normalbereich, vergleichbar mit Industriestaaten wie Deutschland. Zudem war Chinas E-Auto-Bilanz 2025 ausgeglichen. Nur etwa zehn Prozent des Absatzes gingen in den Export, wobei die Verkaufspreise in Europa deutlich höher lagen. Dumping-Bedenken gegen chinesische Hersteller sind somit ebenfalls unbegründet.

Industriepolitik ist keine chinesische Erfindung. Chinas Subventionspraxis folgt strikt den WTO-Regeln. Die Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Firmen beruht auf Innovation, Wertschöpfungsketten und Kostenvorteilen. Von diesen Bedingungen profitieren auch ausländische Unternehmen in China, darunter deutsche Automobilhersteller, die ihre Elektrifizierung mit chinesischen Technologien vorantreiben.

Chinesische Unternehmen unter dem Vorwand unfairen Wettbewerbs zu diskriminieren, stärkt nicht die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Konkrete Fragen sollten im Dialog gelöst werden, wie die jüngsten China-EU-Konsultationen zu E-Autos zeigen.

Kritiker sehen im Handelsdefizit mit China ein Verlustgeschäft für Deutschland, was die handelswirtschaftliche Logik und das vielschichtige Gesamtbild der Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und Deutschland beziehungsweise der EU verkennt. Die Handelsstruktur war nie statisch, sie spiegelt den Wandel industrieller Stärken. Ein Handelsungleichgewicht kommt nicht mangelnder Fairness gleich. Viele europäische Firmen produzieren in China für den Weltmarkt, und 40 Prozent ihrer Ausfuhren gehen nach Europa. Die Folge: China hat den Handelsüberschuss, Europa kassiert die Gewinne.

Der Dienstleistungssektor generiert heute bereits über zwei Drittel der globalen Wirtschaftsleistung. In wertschöpfungsstarken Bereichen wie Finanzdienstleistungen und geistigen Eigentumsrechten behaupten Deutschland und Europa ihre starke Position. Im Dienstleistungshandel hat China ein Defizit, sieht sich dadurch jedoch nicht im Nachteil. China strebt nicht gezielt nach Handelsüberschüssen; gegenüber rund 60 Handelspartnern weist es sogar ein Defizit auf. China entfaltet seine Konsumpotenziale und erweitert den Import, etwa durch die Internationale Importmesse oder die Einrichtung des Freihandelshafens Hainan.

Oft liegt das Ungleichgewicht nicht an mangelnder Kaufbereitschaft Chinas, sondern mangelnder Verkaufsbereitschaft in Europa - Ausfuhrbeschränkungen sollten daher gelockert werden. Mehr beiderseitige Öffnung würde unsere Handelsbeziehungen in eine dynamische Balance führen.

2026 ist für beide Länder ein Schlüsseljahr. Deutschlands Fokus auf Konjunkturbelebung und Chinas Fünfjahresplan mit Schwerpunkten auf Reformen, Binnennachfrage, Marktöffnung und angemessener Anordnung der Industrieketten, die globale Partnerschaften für Produktions- und Lieferketten etablieren, bieten Ansatzpunkte für vertiefte Kooperation. Entscheidend ist nun die Umsetzung des auf Staatsebene getroffenen Konsenses, wozu eine engere Abstimmung nationaler Strategien zählt. Was wir brauchen, ist eine Partnerschaft, die eine neue Zukunftsvision entwirft für den gemeinsamen Wohlstand Chinas, Deutschlands und Europas.

 

Anmerkung der Redaktion:

Deng Hongbo ist Botschafter der Volksrepublik China in Deutschland.