
Das Foto zeigt einen Mercedes-Benz SLS AMG Roadster während einer Präsentation auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main, 13. September 2011. (Xinhua/Ma Ning)
Angesichts des sich beschleunigenden Wandels durch Elektrifizierung und intelligente Fahrtechnologien steht die Branche vor einem weiteren entscheidenden Moment, in dem sich zeigen wird, ob Deutschlands historische Stärken die Wettbewerbsfähigkeit auf einem sich schnell entwickelnden globalen Markt aufrechterhalten können.
BERLIN, 30. Januar (Xinhua) -- Die deutsche Automobilindustrie, seit mehr als einem Jahrhundert ein Eckpfeiler des industriellen Erfolgs des Landes, tritt angesichts der Umgestaltung des globalen Automobilmarktes durch Elektrifizierung und intelligente Technologien in eine entscheidende Phase des Wandels ein.
Die Geburt des modernen Automobils wird allgemein auf den 29. Januar 1886 datiert, als der deutsche Ingenieur Carl Benz sein „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb” patentieren ließ. Seitdem hat sich die Branche gemeinsam mit der deutschen Industrialisierung weiterentwickelt und ist nach wie vor einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes.
Als Geburtsort des modernen Autos gehört Deutschland nach wie vor zu den weltweit führenden Autobauern. Im Jahr 2025 wurden laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA), der in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen feiert, etwa 4,15 Millionen Pkw im Inland produziert, davon wurden rund 3,17 Millionen exportiert.
Der Automobilsektor macht seit langem etwa ein Fünftel der gesamten industriellen Wertschöpfung des Landes aus. Im Jahr 2024 lagen die deutschen Exporte von Automobilen und Autoteilen laut Daten des Statistischen Bundesamts bei 264,1 Milliarden Euro, etwa 17 Prozent der gesamten Exporte des Landes. Mit Stand Ende des dritten Quartals 2025 waren rund 721.400 Menschen im Automobilsektor beschäftigt, das entspricht 13 Prozent der Beschäftigten in der gesamten Industrie.
Deutschland ist auch weiterhin eines der Länder mit der höchsten Autodichte weltweit. Im Jahr 2024 gab es in Deutschland laut VDA-Daten 590 Personenkraftwagen pro 1.000 Einwohner.
Als exportorientierte Volkswirtschaft ist Deutschland für seine Automobilindustrie stark von den Überseemärkten abhängig. Mehr als drei Viertel der in Deutschland hergestellten Autos werden exportiert, wobei die Vereinigten Staaten, Großbritannien und China zu den wichtigsten Zielen außerhalb der Europäischen Union zählen.
Trotz dieser Stärke steht die Branche unter zunehmendem Druck. Deutsche Marken, darunter der langjährige Marktführer Volkswagen, konkurrieren im Inland zunehmend mit anderen europäischen und asiatischen Herstellern, wobei chinesische Hersteller von Fahrzeugen mit neuer Energie (NEV) Boden gutmachen.
Gleichzeitig schafft der Wandel neue Chancen. Strukturelle Unterschiede zwischen Deutschland und China in Bezug auf technische Stärken und Produktentwicklung eröffnen Raum für komplementäre Kooperationen, insbesondere im Bereich der Fahrzeuge mit neuer Energie, wo China zu einem wichtigen globalen Akteur geworden ist.
Deutschlands langjährige Vorteile liegen vor allem in der Grundlagenforschung im Bereich Maschinenbau und Systemebene, darunter Fahrwerktechnik, Antriebssysteme und allgemeine Fahrleistung. Diese Kompetenzen prägen die Fahrzeugentwicklung eher über längere Zyklen hinweg, als dass sie unmittelbare Auswirkungen auf den Markt haben.
Die chinesische Automobilindustrie hat dagegen auf der Produktseite rasante Fortschritte gemacht, insbesondere bei Elektrifizierungsplattformen und intelligenten Systemen, die direkter auf die Marktanforderungen reagieren und sich schneller weiterentwickeln.
In den letzten Jahren haben Automobilhersteller aus beiden Ländern ihre gemeinsamen Anstrengungen in Forschung und Entwicklung ausgeweitet. Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz haben Partnerschaften mit Unternehmen in China geschlossen, um intelligente Technologien und Software zu entwickeln, während chinesische Automobilhersteller Forschungs- und Innovationszentren in Deutschland gegründet haben, um ihre Grundlagenforschung und Systemkompetenzen zu stärken.
Die Investitionstrends spiegeln diese wachsende Interdependenz wider. Laut einem Bericht des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) stiegen die deutschen Unternehmensinvestitionen in China von rund 4,5 Milliarden Euro in den Jahren 2024 und 2023 auf 7 Milliarden Euro im Jahr 2025.
Angesichts des sich beschleunigenden Wandels durch Elektrifizierung und intelligente Fahrtechnologien steht die Branche vor einem weiteren entscheidenden Moment, in dem sich zeigen wird, ob Deutschlands historische Stärken die Wettbewerbsfähigkeit auf einem sich schnell entwickelnden globalen Markt aufrechterhalten können.
In diesem Zusammenhang ist die deutsch-chinesische Zusammenarbeit zu einem wichtigen Faktor geworden, der die Dynamik der Branche prägt. Das Center Automotive Research (CAR) in Bochum erklärte in einem im letzten Monat veröffentlichten Bericht zur globalen Prognose für den Pkw-Markt, die Zukunft der Automobilindustrie liege in der Zusammenarbeit mit China.





